Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Riedelbach (Detaildarstellung)
Vor gut 70 Jahren fassten 42 Riedelbacher den Entschluss, eine Freiwillige Feuerwehr zu gründen. Damit setzten sie formal das um, was damals schon seit 116 Jahren in Riedelbach existierte: Eine schlagkräftige Feuerwehrorganisation.
Aus Erzählungen und Aufzeichnungen ist bekannt, dass mutige Frauen und Männer bei Feuer und anderen Katastrophen schon immer bereit waren, ihre Mitbürger zu retten und deren Hab und Gut zu schützen. Wie sich das Feuerlöschwesen in Riedelbach entwickelte, soll in dieser Chronik beschrieben werden.
1818
Bereits im Jahre 1818 baute die Gemeinde Riedelbach ein Spritzenhaus. Dieses stand in der heutigen Langstraße 15. Im gleichen Jahr wurde eine Handdruckspritze beschafft, die auch für den Einsatz in den Gemeinden Cratzenbach, Neuweilnau, Altweilnau, Mauloff und Finsternthal vorgesehen war. Diese Gemeinden schlossen sich zu einem Spritzenverband zusammen und beteiligten sich finanziell an den Neuanschaffungen der Feuerwehr.
1818 - 1881
Im Laufe der Jahre bauten die genannten Gemeinden eigene Wehren auf und traten nach und nach wieder aus dem Spritzenverband aus. Mauloff z.B. trat am 19.07.1881 aus und erhielt für die Beteiligung an den beschafften Geräten eine anteilmäßige Entschädigung von 12 Goldmark. Von diesem Zeitpunkt an gehörten nur noch Riedelbach und Neuweilnau zum Spritzenverband. Wann genau sich diese beiden Gemeinden trennten und somit der Spritzenverband ganz aufgelöst wurde, ist leider nicht überliefert.
1881 - 1900
Riedelbach hatte nun eine schlagkräftige Pflichtfeuerwehr. Bei Feuer wurden die Einwohner durch die Feuerglocke alarmiert und zum Einsatz gerufen. Die Frauen unseres Dorfes bildeten Ketten und schöpften in Eimern Wasser aus der Wasserentnahmestelle. Von Hand zu Hand wurden die Eimer bis zur Handdruckspritze weitergereicht. Die übrige Arbeit, wie die Bedienung der Spritze und die eigentliche Brandbekämpfung, übernahmen die Feuerwehrmänner. So funktionierte - damals wie heute - die Brandbekämpfung durch gemeinsames Anpacken. Und früher ebenso wie auch heute hat es noch keinen Brand gegeben, mit dem die Riedelbacher Feuerwehr nicht fertig wurde.
1901
Im Jahre 1901 erhielt Riedelbach dann eine Wasserleitung mit ausreichend Hydranten für den Feuerschutz. Die Eimerketten wurden durch Schläuche ersetzt, die auf einem Schlauchwagen mit entsprechender Ausrüstung verlastet waren. Dies war der erste Schritt zur modernen Brandbekämpfung.
Die Spritzenmeisterei war zu dieser Zeit ganz in der Hand der Familie Guckes. Spritzenmeister waren:
1934
In diesem Jahr wurde nun die Freiwillige Feuerwehr gegründet. In der Gründungsversammlung wurde der Landwirt und Wagenmeister Wilhelm Feix zum ersten Ortsbrandmeister gewählt. Währen der Vorkriegsjahre und der gesamten Kriegszeit stand die Wehr unter seiner bewährten Führung.
Noch im gleichen Jahr konnte die Ausrüstung umfassend ergänzt werden. Folgende Geräte und Bekleidungsstücke waren entsprechend der Listen vorhanden:
1 Tragkraftspritze TS4
1 Tragkraftspritzenanhänger (offen) TSA 4
1 Handdruckspritze
1 Schlauchwagen mit
440 m C-Schläuche
10,5 m Saugschläuche
7 Strahlrohre
1 Verteiler
2 Standrohre
1 Saugkorb
2 Hydrantenschlüssel
2 Übergangsstücke B/C
2 Schlauchbinden
12 Zink-Wassereimer
1 Schlauchtrocknungsvorrichtung
1 Ausziehleiter mit Stützen (10 m)
1 Hängeleiter
25 Dienströcke
25 Dienstmützen
25 Koppel mit Schulterriemen
8 Helme mit Nackenleder
6 Sicherheitsgurte mit Beil und Beiltasche
6 Rettungsleinen
1 Signalhorn
So ausgerüstet hatte die Freiwillige Feuerwehr Riedelbach einen guten Start. Auch die Bevölkerung, die ja schon früher von der Einrichtung "Feuerwehr" profitierte, hatte einen weiteren Vorteil. Durch die Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr reduzierten sich damals die Beiträge zur Brandversicherung, die durch die Nassauische Brandschutzkasse erhoben wurde.
1935-1939
Als im darauf folgenden Jahr ein Mannschaftstransportwagen MTW beschafft wurde, war die Ausrüstung für die damalige Zeit einmalig. Zum Vergleich: Unsere Nachbargemeinde Altweilnau beschaffte ihr erstes Fahrzeug erst 1974 (ein vom Bundesgrenzschutz übernommener Hanomag). Auch die Gemeinde Mauloff konnte das erste Feuerwehrfahrzeug erst 1975 (TSF) beschaffen. In beiden Gemeinden wurde bis dato je ein Tragkraftspritzenanhänger vom Traktor eines Feuerwehrmitgliedes zur Einsatzstelle gezogen. In Finsternthal konnte 1977 das erste Fahrzeug beschafft werden.
Somit war die Riedelbacher Feuerwehr schon sehr früh mobil. Das Spritzenhaus konnte aber die Geräte und den Mannschaftstransportwagen nicht mehr aufnehmen. Daher wurde ein größeres und moderneres Gerätehaus geplant. Gebaut wurde 1936 neben dem Ochsenstall. Ganz in der Nähe (gegenüber dem Ochsenstallplatz an der Ecke Langstraße / Weiherstraße soll - so die leeren Kassen es zulassen - auch das schon lange überfällige neue Gerätehaus entstehen. Leider ist das heute nicht mehr so kostengünstig zu realisieren wie früher. Ein "gebrauchtes" Spritzenhaus kostete damals gerade einmal 50,- Reichsmark. Für diesen Betrag wurde das alte Spritzenhaus am 01. November 1938 von der Gemeinde an Otto Höser verkauft.
1939 - 1945
Mit Beginn des Krieges wurden viele Feuerwehrmänner zur Wehrmacht einberufen. Die Zahl der Aktiven schrumpfte folglich erheblich zusammen. Der Krieg mit seinen schrecklichen Auswirkungen stellte an die wenigen noch verfügbaren Wehrleute ständig neue Anforderungen. Bei einem Großbrand nach dem Abschuss eines britischen Bombers in der Nacht vom 02. zum 03. Februar 1945 mussten daher wiederum alle Frauen mithelfen, um das Dorf vor der Brandkatastrophe zu bewahren.
1945 - 1948
Nach dem Krieg kamen nicht mehr alle Feuerwehrmänner nach Hause. Es war schwer, mit der alten Mannschaft neu zu beginnen, hatten doch alle gegen Uniformen und vor allem das, was damit in Verbindung gestanden hatte, eine mehr als verständliche tiefe Abneigung.
Aufgrund dieser Tatsache sah sich Bürgermeister Dienstbach - selbst Gründungsmitglied der Freiwilligen Feuerwehr Riedelbach - gezwungen, alle männlichen Einwohner Riedelbachs vom 17. bis zum 50. Lebensjahr zu einer Versammlung im Schulgebäude einzuladen. Ziel dieser Veranstaltung sollte es sein, die Freiwillige Feuerwehr neu zu organisieren.
Zu dieser Versammlung war auch der Vorstand des Kreisfeuerwehrverbandes mit Kreisbrandinspektor (KBI) Philippi und von der Kreisverwaltung Herr Rechtsanwalt (RA) Bechtel eingeladen. Vor über sechzig erschienenen Männern aus Riedelbach sprach Bürgermeister Dienstbach über den Zweck der Versammlung und über die herausragende Bedeutung des Feuerschutzes in unserem Dorf. RA Bechtel hielt ein Referat über das Feuerlöschwesen im Allgemeinen. Diese Vorträge müssen die Versammelten sichtlich begeistert haben, erklärten sich im Anschluss an eine Aussprache doch 52 Kameraden bereit, für die gute Sache einzutreten und Mitglied in der Freiwilligen Feuerwehr Riedelbach zu werden. Ein bemerkenswerter Erfolg für diese Veranstaltung.
In geheimer Wahl wurden dann der Ortsbrandmeister und sein Stellvertreter gewählt. Zum Ortsbrandmeister wurden die Kameraden Feix und Hahn, zu Stellvertretern die Kameraden Kreuz und Mack vorgeschlagen. Hahn wurde mit 32 Stimmen zum Ortsbrandmeister und Kreuz zum stellvertretenden Ortsbrandmeister gewählt. Durch Akklamation wurden dann die restlichen Vorstände gewählt. Der erste Nachkriegs-Vorstand der Freiwilligen Feuerwehr Riedelbach setzte sich nun aus folgenden Personen zusammen:
Bruno Hahn, Ortsbrandmeister
Albert Kreuz, stellvertretender Ortsbrandmeister
Karl Guckes, Schriftführer
Karl Ziemer, stellvertretender Schriftführer
Heinrich Diehl, Kassierer
Otto Höser, stellvertretender Kassierer
Emil Graefe, Zeugwart
Erich Vollberg, stellvertretender Zeugwart
Der bisherige Ortsbrandmeister Wilhelm Feix schied aus dem aktiven Dienst aus und wurde für die geleistete Arbeit zum Ehrenmitglied der Freiwilligen Feuerwehr ernannt.
Riedelbach besaß nun eine sehr junge Mannschaft. Das Durchschnittsalter lag bei 25 Jahren. Von den Gründungsmitgliedern gehörten nur noch Heinrich Diehl und Otto Höser, der einige Jahre später stellvertretender Brandmeister wurde, der Wehr an. Heinrich Diehl blieb bis zu seinem Tod im Jahre 1958 Kassierer der Wehr.
Die neu gebildeten Löschgruppen bestanden aus insgesamt 34 Kameraden:
Gruppe1
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Gruppe2
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In den folgenden Jahren entwickelte sich eine rege Vereinstätigkeit. Ortsbrandmeister, Gruppenführer, Maschinisten und der Zeugwart absolvierten in der hessischen Landesfeuerwehrschule Kassel mit großem erfolg die geforderten Lehrgänge. Das erworbene Wissen wurde bei den wöchentlichen Übungen an die Feuerwehrkameraden weitergegeben. Innerhalb weniger Monate konnte dadurch eine gut ausgebildete und schlagkräftige Feuerwehr den Schutz der Einwohner und deren Eigentum übernehmen.
Schon damals bildeten Einnahmen aus Theateraufführungen zur Weihnachtszeit und Faschingveranstaltungen ebenso wie freiwillige Spenden Riedelbacher Bürger eine Einnahmequelle. Sie bildeten damals den ersten und einzigen Kassenbestand, da keine Beiträge erhoben wurden. Dies lag daran, dass die Gemeinde durch ihre großen Waldflächen als relativ reich anzusehen war. Sie beschaffte alles, was die Feuerwehr für Ausbildung und Einsatz benötigte. Auch die Vereinskasse wurde später nicht vergessen. Die Gemeinde forderte keine Abgaben (Steuern, Gebühren) von ihren Bürgern und war dennoch modern und fortschrittlich. Dieser Zustand änderte sich, als Riedelbach seine Selbstständigkeit aufgeben musste. Obwohl die Gemeinde grundsätzlich auch heute noch für die Ausrüstung der Feuerwehren zuständig ist, wird die Vereinskasse zum nicht unerheblichen Teil gerade für die Beschaffung von Ausrüstungsgegenständen in Anspruch genommen.
1949 - 1954
In dieser Zeit ging es weiter aufwärts. So ließ Bürgermeister Dienstbach auf dem Rathaus die erste Feuerwehrsirene installieren. Nun konnte man auf die Feuerglocke und den Hornisten verzichten und viel effizienter alarmieren. Auch ausreichendes Schlauchmaterial, darunter erstmals B-Schläuche, wurden gekauft. Jeder Feuerwehrmann erhielt einen Arbeitsanzug, eine Mütze und einen Rock. Die Löschwasser-Entnahmestellen im Bachlauf wurden modernisiert. 1949 wurde eine Wasserleitung mit ausreichenden Unterflurhydranten verlegt und der Brandschutz konnte erheblich verbessert werden.
Um 1950 /51 beschlossen die Bürgermeister von Finsternthal, Mauloff und Riedelbach den Ausbildungsstand ihrer Wehren zu überprüfen. In der Folge wurden Alarmübungen abgehalten. Dazu stiftete Bürgermeister Seel aus Mauloff einen Wanderpokal für die beste Wehr und einen Preis für die schnellste Wehr. In der ersten Übung wurde in Mauloff eine Brandstelle angenommen. Es zeigte sich, dass das "Nachkriegskonzept" von Wehrführer Bruno Hahn noch immer einen hervorragenden Ausbildungsstand sicherstellen konnte. Die Freiwillige Feuerwehr Riedelbach erhielt den Wanderpokal und auch den Preis für die schnellste Wehr.
Am 31. März 1952 wird in einer Mitgliederversammlung eine neue Satzung verabschiedet, die in der Folge von der Gemeindevertretung genehmigt wird.
Es gab keinen Stillstand. In der Wehr bildete sich eine intensive Kameradschaft. Zwar schieden weniger Interessierte nach und nach aus. Doch kamen immer wieder junge, dynamische Leute hinzu und verstärkten die Mannschaft.
1955
Den nächsten Höhepunkt erreichte die Freiwillige Feuerwehr unter Bürgermeister Guckes im Jahr 1955. Die Gemeinde beschaffte ein neues nach DIN bestücktes Löschfahrzeug LF 8 mit 12-Liter-Vorbaupumpte. 25.000,- DM kostete dieses Fahrzeug, das die Gemeinde ohne Zuschüsse finanzieren musste. Diese Anschaffung war erforderlich geworden, nachdem der 1936 beschaffte Mannschaftstransportwagen (MTW) während einer Einsatzfahrt nach Emmershausen durch Vergaserbrand stark beschädigt wurde und ausgesondert werden musste.
Das neue LF 8 wurde, verbunden mit einem Festakt, am 26.09.1955 der Freiwilligen Feuerwehr übergeben. In einem Festzug, den der Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr Usingen anführte, wurde das geschmückte LF 8 der zahlreich erschienenen Bevölkerung vorgeführt. Zusätzlich waren die mit Pferden bespannte Handdruckspritze von 1818, der Schlauchwagen von 1901 sowie die TS 4 von 1934 zu sehen.
RA Bechtel, der die Grüße des Landrates Müller überbrachte, bezeichnete das neue Fahrzeug als ein "fürstliches Geschenk" der Gemeinde. KBI Philippi dankte der Gemeinde für die Beschaffung des neuen Gerätes und bezeichnete es als "das modernste im Kreis".
1956 - 1958
Nun war auch das zweite, 1936 gebaute Gerätehaus zu klein geworden. Die Gemeinde stellte der Feuerwehr eine Hälfte der Dreschhalle zur Verfügung. Die notwendigen Arbeiten, wie das Einziehen einer Trennmauer in der Halle und die Anbringung der Decke, wurden von den Feuerwehrmännern ausgeführt.
1959 - 1962
Vom 30. Mai bis zum 01. Juni 1959 feierte die Freiwillige Feuerwehr ihr 25. Jubiläum. Dieses Fest war ein großer Erfolg für Riedelbach und wurde von allen Wehren des Usinger Landes besucht.
Zum 31. Dezember 1959 gab Ortsbrandmeister Bruno Hahn die Führung der Wehr ab. Er begründete dies mit seinem ständigen Aufenthalt außerhalb der Heimatgemeinde.
Die darauf folgende Mitgliederversammlung wählte den Kameraden Artur Dienstbach zum neuen Ortsbrandmeister, der Kamerad Franz Schafferhans wurde Stellvertreter und Walter Dörschmidt wurde Schriftführer und Kassierer.
Während einer Feier am 12. Januar 1960 würdigte der neue Vorstand die Verdienste des früheren Ortsbrandmeisters und ernannte Bruno Hahn zum Ehrenmitglied der Freiwilligen Feuerwehr. Bürgermeister Heinz Guckes würdigte seine uneigennützige Tätigkeit als Wehrführer und überreichte Bruno Hahn eine Plakette der Gemeinde.
KBI Philippi ehrt den verdienten Feuerwehrmann mit zwei Plaketten des Kreisverbandes.
1963
Im Jahre 1963 erhielt die Feuerwehr dann die gesamte Halle, nachdem die Dreschmaschine und der Motorwagen verkauft waren. Dadurch war es nun möglich geworden, das im August 1963 zugewiesene Löschfahrzeug LF 16-TS zu stationieren. Dieses Löschfahrzeug, aus Bundesmitteln beschafft, war für den zivilen Bevölkerungsschutz (ZB) vorgesehen. Es ist heute noch in Riedelbach stationiert und wird mit seiner umfangreichen Ausstattung von der Freiwilligen Feuerwehr eingesetzt.
1964 - 1965
Möchte man die Höhen und Tiefen einer Organisation mit einer Achterbahn vergleichen, so waren die Jahre 1964 und 1965 für die Freiwillige Feuerwehr Riedelbach sicher eine Variante mit Looping und Schraube.
Im Herbst 1964 teilte Ortsbrandmeister Dienstbach dem Gemeindevorstand mit, dass er wegen Arbeitsüberlastung und aus Zeitmangel zurücktrete. Der Gemeindevorstand beauftragte ihn trotzdem bis zur nächsten Mitgliederversammlung mit der Führung der Wehr.
In der ordentlichen Mitgliederversammlung am 16. Januar 1965 sollte dann der neue Vorstand gewählt werden. Bürgermeister Guckes wurde von der Versammlung als Wahlleiter benannt. Es erklärte sich allerdings niemand bereit als Ortsbrandmeister zu kandidieren. Alle Vorgeschlagenen lehnten es ab, dieses Amt zu übernehmen. Hier sollte kurz erwähnt werden, dass das Amt des Wehrführers auch heute noch ein außergewöhnlich hohes Engagement verlangt. Viele, viele Stunden der Freizeit müssen investiert werden. Das ist nur zu machen, wenn die Familie hinter dieser Entscheidung steht. Und zusätzlich wird auch das berufliche Umfeld strapaziert. Somit ist es nicht ganz selbstverständlich, dass sich immer leicht jemand finden lässt, der diese Aufgabe übernimmt.
Die Wehr stand also vor einer Zerreißprobe. Selbst das nüchterne Protokoll belegt, dass es am 16. Januar 1965 hoch her ging. Zitat aus dem Protokoll: "Es entstand eine rege Diskussion, die sich anbot, durch persönliche Angriffe einzelner Mitglieder untereinander, aus den Fugen zu geraten. Bürgermeister Guckes und Alt-Brandmeister Feix versuchten, die empörten Gemüter durch Beispiele vergangener Jahre zur Beruhigung zu bringen."
Der Fortbestand der Freiwilligen Feuerwehr war somit in Frage gestellt, die Mitglieder zerstritten. Um die Wehr und alle damit verbundenen ideellen Werte zu retten, bittet Bürgermeister Guckes den Alt-Brandmeister Bruno Hahn die Wehr wieder zu übernehmen. Dieser stellt Bedingungen, die vom Bürgermeister akzeptiert werden.
Danach wurde Bruno Hahn von der Mitgliederversammlung einstimmig gewählt. Franz Schafferhans wird zum stellvertretenden Ortsbrandmeister gewählt, Otto Veith zum Kassierer, Walter Dörschmidt zum Schriftführer und Erich Dittmann zum Gerätewart. Erich Dittmann löste damit Günter Mohr ab, der nicht mehr kandidierte.
Von nun an ging es wieder aufwärts. Noch im gleichen Jahr initiierte Bruno Hahn wieder Vergleichswettkämpfe innerhalb der Wehr. Diese wurden nach den Wettkampfbestimmungen durchgeführt. Drei Gruppen traten gegeneinander an. Die Schiedsrichter stellte der Kreisfeuerwehrverband. Nun war es an Bürgermeister Guckes, einen Pokal für die Siegergruppe zu stiften. Er bestimmte, dass die Gruppe, die den Pokal dreimal hintereinander oder fünfmal außer der Reihe erhält, Eigentümer des Pokals wird.
Die Stagnation war beendet und jeder hatte wieder ein Ziel vor den Augen. Im Laufe des Jahres wurde viel und fleißig geübt, galt es doch eine vorschriftsmäßige Schul- und Angriffsübung vor Augen kritischer Schiedsrichter und der heimischen Bevölkerung zu zeigen.
Der erste Wettkampftag war ein großer Erfolg. Folgende Ergebnisse wurden erzielt:
Mit dem besten Ergebnis von 729 Punkten wurde Gruppe 3 Pokalsieger. Der Pokal wurde der Siegergruppe durch Bürgermeister Guckes im Saalbau Ziemer überreicht. In seiner Ansprache sagte er, dass sich jeder Einwohner der Gemeinde, sei es bei Tag oder bei Nacht, auf die Männer der Freiwilligen Feuerwehr verlassen könne. Er sprach die Hoffnung aus, dass der gestiftete Pokal dazu beitragen werde, den Ausbildungsstand der Riedelbacher Wehr von Jahr zu Jahr zu steigern und auch den Zusammenhalt und die Kameradschaft zu fördern.
KBI Philippi beglückwünschte die Wehr zu ihrem Entschluss, die Wettkämpfe auszutragen: "Es ist für den Kreis Usingen einmalig, dass sich am Sonntag Nachmittag drei Gruppen einer Wehr freiwillig zu einem Wettkampf stellen." Mit einem gelungenen Kameradschaftsabend wurde dieser erfolgreiche Tag beendet.
1966 - 1972
Diese Jahre standen nun im Zeichen des Engagements und des wettkämpferischen Aufschwungs, was sich deutlich im Ausbildungsstand der Mitglieder bemerkbar machte. Die 1965 eingeführten Gruppenwettkämpfe wurden nun jährlich durchgeführt. 1966 war die Gruppe 2 und 1967 die Gruppe 1 Pokalsieger geworden. Bedingt durch die vielen Übungen hatten die Feuerwehrmänner den höchsten Ausbildungsstand erreicht.
Ab dem Jahr 1966 nahm zusätzlich jährlich eine Gruppe der Freiwilligen Feuerwehr Riedelbach an den Leistungswettkämpfen auf Kreisebene teil. Die Wettkampfgruppe kehrte jedes Mal gut platziert mit einer Plakette zurück. Im Laufe der Jahre konnte sie ihre Leistungen von 600 Punkten auf 901 Punkte steigern. Es reichte zwar nie zum 1. Platz, doch brauchte sich die Riedelbacher Wehr auch vor keiner Konkurrenz zu verstecken. Die Riedelbacher Bevölkerung wurde jedenfalls durch eine der besten Wehren im Kreis betreut.
Drei Jahre nach seiner Wahl zum Gerätewart stellte Kamerad Dittmann am 02. Januar 1968 sein Amt zur Verfügung. Neuer Gerätewart wurde Kamerad Horst Dietrich.
Ab 1969 beteiligte sich auch eine Jugendgruppe an den Wettkämpfen. Die Jugendgruppe erzielte bereits beim ersten Wettkampf am 01. Juni 1969 984 Punkte. Dies war eine großartige Leistung und ließ für die Zukunft hoffen.
Zur Jugendgruppe gehörten:
Arno Hahn
Jürgen Vollberg
Rolf Faulhaber
Siegfried Brühl
Wolfgang Weil
Horst Buhlmann
Udo Brühl
Kurt Landsiedel
Jürgen Rühl
Achim Vollberg
In der Jahreshauptversammlung am 14. März 1969 wurde eine neue Satzung beschlossen, die am 03. Dezember 1969 ohne Änderung von der Gemeindevertretung genehmigt wurde. Die neue Satzung modifizierte die bis dahin gültige Satzung vom 31. März 1952 (heute im Jahre 2003 gilt die aktuelle
Satzung des Feuerwehrvereins vom Dezember 2002).
Ebenfalls 1969 stand die Renovierung der alten Dreschhalle an, die ja seit 1956 teilweise und seit 1963 komplett als Gerätehaus diente. In über 400 Arbeitsstunden wurde das Gerätehaus von Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr mit einem Außenputz versehen. Zusätzlich wurden die Fensteröffnungen mit Glasbausteinen ausgemauert und die Außenanlage fertig gestellt.
Die Statistik: Der Kamerad Heinz Brühl investierte 60 Arbeitsstunden, Reinhold Diehl 59, Walter Dörschmidt und Heinz Diehl waren mit je 50 Stunden beteiligt und Rainer Butz sowie Werner Diehl brachten je 30 freiwillig geleisteten Arbeitsstunden ein. Natürlich waren noch mehr Mitglieder beteiligt, aber diese besondere Leistung sollte schon erwähnt werden.
Den Innenputz vergab der Gemeindevorstand Weilnau an einen Unternehmer, der für 4.246,40 DM diesen Auftrag im Frühjahr 1972 ausführte. Für diese Arbeiten fehlten der Freiwilligen Feuerwehr das Fachpersonal. Die anschließende Elektrifizierung des Gerätehauses führten dann wieder die Feuerwehrkameraden aus.
1975 - 1978
Einen weiteren Höhepunkt brachte das Jahr 1976. Aus der Landesbeschaffung 1975 erhielt die Freiwillige Feuerwehr Riedelbach auf Antrag des Gemeindevorstandes Weilrod ein neues LF 8-TS mit Vorbaupumpe und eingeschobener TS 8. Dieses Löschfahrzeug wurde am 29.04.1976 bei der Firma Bachert (Bad Friedrichshall) übernommen und unter großer Anteilnahme der Gemeindegremien und der Bevölkerung von Bürgermeister Galuschka der Freiwilligen Feuerwehr übergeben.
Bürgermeister Galuschka wies darauf hin, dass dieses moderne Löschfahrzeug zwar durch das Land Hessen beschafft wurde, aber immerhin mit ca. 32.000,- DM von der Gemeinde mitfinanziert werden musste. Er sagte, dass diese Anschaffung notwendig war, um die Menschen und deren Eigentum in unserer Großgemeinde vor Feuer zu bewahren und bei Bränden unsere großen Waldflächen zu schützen. Die Wehrmänner wurden ermahnt, nicht in ihren Übungen nachzulassen, sich mit dem neuen Löschfahrzeug vertraut zu machen und immer auf den Ernstfall vorbereitet zu sein. Mit den besten Wünschen für die Zukunft übergab Bürgermeister Galuschka dann die Fahrzeugschlüssel dem Wehrführer Bruno Hahn.
Bruno Hahn bedankte sich beim Bürgermeister und den Gemeindegremien für das moderne Löschfahrzeug und versprach alles zu tun, um Leben und Eigentum unserer Bewohner zu schützen und das neue Löschfahrzeug möglichst lange der Feuerwehr zu erhalten. Anerkennende Worte sprach dann KBI Leber und Ortsbrandmeister Dittmann. Das LF 8-TS war dann auch 25 Jahre lang (bis in das Jahr 2001) in vielen, vielen Einsätzen unterwegs und neben dem LF 16-TS des Katastrophenschutzes das Rückrat der Riedelbacher Feuerwehr.
In den folgenden Jahren wurde dann die noch fehlende Ausstattung ergänzt und ein Funkgerät 8FuG 8b) in das Löschfahrzeug eingebaut. Die Wehr erhielt drei Handfunksprechgeräte FuG 10.
Es sei an dieser Stelle erwähnt, dass die genannten Beschaffungen von der Wehr vorfinanziert bzw. teilweise selbst finanziert werden mussten. Um den Ausbildungsbetrieb aufrecht zu erhalten und die Einsatzbereitschaft sicherzustellen, musste die Freiwillige Feuerwehr im Laufe der Jahre aus der Vereinskasse immer stärker erhebliche finanzielle Mittel aufwenden. Spenden unserer Mitbürger und Erlöse aus kulturellen Veranstaltungen machten dies zwar möglich. Es ist aber weder Sinn noch Zweck, dass Freiwillige Feuerwehren sich selbst finanzieren, zumal die Spendenfreundlichkeit der Bürger gerade heute verständlicherweise immer mehr nachlässt. Hier ist die Gemeinde gefordert, ihre Pflicht zu erfüllen. So wie die Mitglieder der Wehren ja auch ihre Pflichten - auf freiwilliger Basis! - immer erfüllen.
Allein in den Jahren 1978 bis 1983 wurden für diese Zwecke 24.637,- DM aus dem Vereinsvermögen verbraucht. Für die Anschaffung des Schlauchturmes wurden 9.777,- DM benötigt. Dieser Turm wurde notwendig, um das noch aus Riedelbacher Zeiten reichlich vorhandene Schlauchmaterial richtig zu pflegen und somit eine längere Lebensdauer zu erreichen. Die Haushaltsmittel der Gemeinde Weilrod für die Freiwilligen Feuerwehren sind seit 1981 so niedrig angesetzt, dass Ersatzbeschaffungen - z.B. Schlauchmaterial, Schutzkleidung - in vollem Umfang nicht mehr möglich ist. Fehlende finanzielle Mittel müssen heute von den Mitgliedern der Wehr durch Idealismus, Verantwortung für die Sicherheit der Menschen und Opferbereitschaft ersetzt werden.
Vorläufiger Schluss...
Seit Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr wurden die Wehrmänner zu vielen Bränden, Hilfeleistungen, Rettungseinsätzen und Hochwassereinsätzen gerufen. E ist kein Einsatz bekannt, bei dem die Freiwillige Feuerwehr ihren Auftrag nicht erfüllte oder gar getadelt wurde. So sollte es auch in Zukunft sein. Mit dem Blick nach vorne muss jede Generation das Erbe der Väter übernehmen, sich der Erbschaft würdig erweisen und mit der inneren Überzeugung, mehr als es die Pflicht verlangte, getan zu haben, das Erbe weiterzugeben.
136 Namen stehen im Mitgliederverzeichnis der Freiwilligen Feuerwehr Riedelbach im Jubiläumsjahr,
20 gehören zur Jugendabteilung,
60 zählt die Einsatzabteilung,
6 gehören zur Altersabteilung und weitere
50 sind treue Förderer unserer Freiwilligen Feuerwehr.
Wir würden uns freuen, wenn noch mehr Bürgerinnen und Bürger durch ihren beitritt oder durch Spenden unsere Arbeit unterstützen würden, getreu dem Leitspruch:
"EINER FÜR ALLE, ALLE FÜR EINEN"
Quelle:
Hahn, Bruno (1984): Das Feuerlöschwesen in Riedelbach.- in:Freiwillige Feuerwehr Riedelbach (1984) (Hrsg.): Festschrift zum 50-jährigen Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr Riedelbach.
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